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Hidden Champions aus Münster – Aufbereitungstechnik neu gedacht

Hidden Champions aus Münster

Das Münsterland ist Heimat zahlreicher Hidden Champions aus Münster, die in einer bestimmten Branche oder Nische äußerst erfolgreich sind, aber darüber hinaus weniger bekannt sind. Haver & Boecker Niagara ist ein Paradebeispiel dafür. Experten-MS.de hat den Head of Sales der Erfolgsfirma exklusiv interviewt.

Wer an Weltmarktführer aus Deutschland denkt, hat nicht unbedingt sofort Münster auf dem Schirm. Die Innovationskraft aus der Domstadt und dem Umland sollte aber nicht unterschätzt werden.

Moderne Siebtechnologie und die Zukunft der Rohstoffaufbereitung

Münster beheimatet mit Haver & Boecker Niagara ein Unternehmen, das die weltweit größten Siebmaschinen baut und Aufbereitungsanlagen in die entlegensten Bergwerke der Welt liefert.

Die Muttergesellschaft Haver & Boecker OHG wurde 1887 in Hohenlimburg (heute Hagen) gegründet, mit heutigem Hauptsitz in Oelde (Westfalen) und wird heute in vierter und fünfter Generation als Familienunternehmen geführt – mit über 3.000 Mitarbeitern, mehr als 50 Tochtergesellschaften und ca. 150 Vertretungen weltweit.

Das Münsterland als Startpunkt – Wachstum und Expansion durch Marktwissen

Interview mit Lothar Gillenkirch, Head of Sales bei Haver & Boecker Niagara

Münsters Portal für Fachwissen, Experten-MS.de, hat Lothar Gillenkirch, Head of Sales bei Haver & Boecker Niagara, zum Interview getroffen.

Experten-MS.de: Herr Gillenkirch, was macht Haver & Boecker Niagara – und was zeichnet Ihre Arbeit aus?

Lothar Gillenkirch: Wir bei Haver & Boecker Niagara konzentrieren uns auf den internationalen Rohstoffbereich. Unsere Aufgabe: Rohstoffe effizient aufbereiten. In vielen Betrieben weltweit gehen durch falsche Prozesse und ungeeignete Maschinen enorme Mengen an wertvollen Materialien verloren.

Wir verstehen uns nicht nur als Maschinenlieferant, sondern als Partner – unsere Anlagen laufen über Jahrzehnte. Über unser An-Institut an der TU Bergakademie Freiberg, der ältesten Bergbauuniversität der Welt, haben wir, neben unserem eigenen R&D-Center, Zugang zu einem hochmodernen Labor, um jegliche Art von Aufbereitungsprozessen zu optimieren, die CO₂ und Energie erheblich einsparen.

Ein Beispiel: Aus Staub, der sonst teuer entsorgt würde, machen wir verwertbare Eisenerz-Pellets – mit bis zu 30 Prozent Energieeinsparung beim Schmelzprozess im Hochofen. Nebenbei entsteht dabei ein höherwertiger Stahl. Unsere Kernkompetenzen sind Siebtechnologie, Pelletiertechnologie und Anlagenbau. Wir bedienen Bergbau, Recycling, Düngemittel, Zement und mehr. Ob Gold, Diamanten oder Eisenerz – alles, was in einem Smartphone steckt oder woraus Häuser gebaut werden, durchläuft Aufbereitungsprozesse, die wir mit unserem Know-How effizienter und nachhaltiger machen.

Darüber hinaus decken wir auch andere Bereiche des Maschinenbaus erfolgreich ab – so ist Haver & Boecker als Mutterkonzern Weltmarktführer im Bereich Verpackungsmaschinen für Schüttgüter wie Zement, aber auch für Lebensmittel wie Zucker.

Experten-MS.de: Welcher Ihrer Schwerpunkte entwickelt sich aktuell am dynamischsten?

Lothar Gillenkirch: Besonders dynamisch sind Eisenerz, Edelmetalle, seltene Erden und Düngemittel – getrieben durch geopolitische Veränderungen und den globalen Bedarf der Energie- und Mobilitätswende.

Zwei Anekdoten zur Vielseitigkeit unseres Know-Hows:

Wüstensand ist für die Bauindustrie unbrauchbar – da zu rund. Wir arbeiten an Konzepten, um aus Wüstensand Pellets zu erzeugen, die dann in Beton verwendet werden können.

Die künstlichen Strände in Dubai bestehen aus Sand, der mit unserer Technologie nach dem Vorbild der schönsten Naturstrände der Welt aufbereitet wurde.

Hidden Champions aus Münster: Anforderungen bei optimierten Recycling-Prozessen

Experten-MS.de: Was unterscheidet die Anforderungen bei Recycling-Prozessen, die Haver & Boecker Niagara optimiert, von der klassischen Rohstoffaufbereitung?

Lothar Gillenkirch: Im Recycling geht es darum, industrielle Abfälle aufzubereiten – gerade hochwertige Abfälle enthalten oft Gold, Kupfer und andere Wertstoffe. Durch unsere spezialisierten Prozesse erzeugen wir aus vermeintlich weniger werthaltigen Abfällen hochwertige Sekundärrohstoffe. Teilweise lagern in riesigen Absatzteichen Millionen Tonnen an potenziellem Dünger, die bisher ungenutzt bleiben.

Eine Schlüsselrolle spielt unsere Exzenter-Siebtechnologie: Als Innovationsführer holen wir bis zu 30 Prozent mehr aus dem eingesetzten Rohstoff heraus als herkömmliche Verfahren. Das Prinzip: Aus weniger mehr machen.

Experten-MS.de: Wo sehen Sie bei Digitalisierung und KI die spannendsten Entwicklungen?

Lothar Gillenkirch: Ein großes Thema ist Remote-Diagnostik. Mit unserem Pulse Condition Monitoring überwachen wir Siebmaschinen dauerhaft in Echtzeit – mit dem Ziel, sie „gesund“ am Leistungslimit arbeiten zu lassen, statt auf den nächsten Ausfall zu warten.

Der nächste Schritt ist die Verknüpfung mit KI und optischen Systemen: Kameratechnik erkennt die Materialbeschaffenheit, und die Maschinen stellen sich automatisch optimal ein. In einem Bergwerk in Brasilien konnten wir durch digitale Optimierung Einsparungen von 625.000 US-Dollar pro Stunde erzielen.

Hidden Champions aus Münster: Ideen von gutem Service und Blick in die Zukunft

Experten-MS.de: Was erwarten Betreiber heute von einem guten Service?

Verfügbarkeit und Erreichbarkeit – von Teilen und Menschen. Aber die Erwartungen gehen weit darüber hinaus. Wir legen den Fokus auf Aftersales, Prozessoptimierung und Beratung. Unser jüngstes Werkzeug: die Software NIAflow. Damit erstellen wir digitale Zwillinge ganzer Werke, identifizieren Engpässe und priorisieren Investitionen gezielt.

Bei Greenfield-Projekten planen wir die komplette Anlage und beziffern exakt, was die Tonne in der Produktion kostet – inklusive Wartung und Service über die gesamte Lebensdauer. NIAflow wird übrigens auch von Studierenden an Universitäten weltweit eingesetzt.

Experten-MS.de: Was wird sich in der Aufbereitungstechnik in den nächsten fünf Jahren am stärksten verändern?

Durch die geopolitische Lage werden viele Länder stärker auf eigene Rohstoffvorkommen zurückgreifen müssen – Deutschland ist das beste Beispiel. Wer sich selbst helfen muss, will maximal effizient und nachhaltig sein.

Vielen Dank für das Interview, Herr Gillenkirch.

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Ein Hidden Champion aus Münster im Fazit

Haver & Boecker Niagara zeigt als einer der Hidden Champions aus Münster, dass Weltmarktführerschaftnicht immer in den bekannten Industriezentren entsteht.

Das Münsteraner Unternehmen setzt auf jahrzehntelanges Know-how in Sieb- und Pelletiertechnologie, versteht sich als Partner statt reiner Maschinenlieferant und treibt mit Remote-Monitoring und KI-Optimierung die Digitalisierung der Branche voran.

Angesichts geopolitischer Veränderungen und wachsender Bedeutung heimischer Rohstoffe dürfte diese Expertise weiter an Gewicht gewinnen.

Zur Firmen-Webseite: haverniagara.com

 

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Über den Autor

Bild von Charlotte
Charlotte bereichert Experten-MS.de mit vielseitigen Beiträgen rund um Einkaufen, Alltagsleben und Urlaub in der Stadt. Sie gibt praktische Tipps, vergleicht Angebote und Möglichkeiten und liefert Hintergründe, die bei Entscheidungen im Alltag helfen. Dabei richtet sie den Blick besonders auf Themen, die für Verbraucherinnen und Verbraucher vor Ort relevant sind.

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